Der Rote Panda (Ailurus fulgens) zählt zu den charismatischsten und zugleich am stärksten bedrohten Säugetieren des Himalaya-Raums. Als spezialisierte Hochgebirgsart ist er eng an kühl-feuchte Bambuswälder oberhalb von 2.300 m gebunden und reagiert besonders sensibel auf Habitatveränderungen. Nepal beherbergt etwa 1,9 % der globalen Population und trägt damit eine besondere Verantwortung für den Schutz dieser Art. Trotz seines Schutzstatus nach nationalem Recht und internationalen Übereinkommen nimmt der Lebensraum des Roten Pandas durch infrastrukturelle Entwicklung, insbesondere den Ausbau von Straßen im Gebirge, stetig ab.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt „Impact of Road Development on Habitat Suitability and Endoparasitic Status of the Red Panda in the Gaurishankar Conservation Area“ die Auswirkungen des Straßenbaus auf Habitatqualität, Verbreitung und Gesundheitszustand der Art. Das Untersuchungsgebiet liegt im Marbu-Gebiet der Gaurishankar Conservation Area, einem bekannten Hotspot für Rote Pandas, der in den vergangenen Jahren zunehmend durch den Ausbau von Verkehrswegen und begleitende menschliche Aktivitäten beeinflusst wurde.
Ziel des Projekts ist es, den Zusammenhang zwischen Straßeninfrastruktur, Habitatfragmentierung und dem Auftreten von Endoparasiten beim Roten Panda systematisch zu erfassen. Dabei wird untersucht, inwiefern Straßen nicht nur den Lebensraum zerschneiden, sondern auch indirekt das Infektionsrisiko erhöhen, etwa durch verstärkten Kontakt mit Menschen, Nutztieren oder veränderte Umweltbedingungen.
Methodisch kombiniert die Studie ökologische Feldforschung, sozialwissenschaftliche Erhebungen und parasitologische Laboranalysen. In einem ersten Schritt werden in 150 Haushalten strukturierte Befragungen durchgeführt, um lokales Wissen über Vorkommen, Wahrnehmung und Bedrohungen des Roten Pandas zu erfassen. Diese Informationen dienen zugleich der Identifikation potenziell geeigneter Habitatbereiche.
Die ökologische Datenerhebung erfolgt entlang von insgesamt 60 Transektlinien, die systematisch entlang von Straßenabschnitten angelegt sind. Hierbei werden Spuren wie Kot, Fraßreste, Kratzspuren und Sichtbeobachtungen dokumentiert. Ergänzend werden Umweltvariablen wie Vegetationsstruktur, Hangneigung, Entfernung zu Wasserquellen und Distanz zur Straße erfasst, um deren Einfluss auf die Habitatnutzung statistisch auszuwerten.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Analyse von Kotproben zur Bestimmung endoparasitärer Belastungen. Die Proben werden im Labor der Tribhuvan University untersucht, um Vorkommen und Vielfalt parasitärer Organismen zu bestimmen. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf Gesundheitszustand, Stressbelastung und potenzielle Krankheitsrisiken ziehen, die insbesondere in fragmentierten Lebensräumen erhöht sein können.
Die statistische Auswertung erfolgt mittels generalisierter linearer Modelle, um Zusammenhänge zwischen Habitatparametern, Straßennähe und Nachweisen des Roten Pandas sowie parasitologischen Befunden zu analysieren. Auf diese Weise lassen sich ökologische Schwellenwerte identifizieren, ab denen Straßenbau und menschliche Nutzung signifikante negative Effekte entfalten.
Die Ergebnisse des Projekts liefern eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für das Management der Gaurishankar Conservation Area. Sie tragen dazu bei, sensible Habitatbereiche zu identifizieren, straßennahe Schutzmaßnahmen zu entwickeln und künftige Infrastrukturprojekte naturverträglicher zu planen. Gleichzeitig leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Kapazitätsaufbau, indem Studierende und lokale Fachkräfte in Feldmethodik, Datenerhebung und Analyse geschult werden.
Durch die Verbindung von angewandter Naturschutzforschung, lokaler Beteiligung und international anerkannten Methoden trägt das Projekt wesentlich zum langfristigen Schutz des Roten Pandas und seiner hochsensiblen Lebensräume im Himalaya bei.