Das Projekt Conserving Five Highly Threatened Amphibian Species in Northeastern Colombia through Community–Science Collaboration widmet sich dem Schutz von fünf hochbedrohten Amphibienarten im Nordosten Kolumbiens: dem Salty Rocket Frog (Aromobates saltuensis, EN), dem Leandra-Salamander (Bolitoglossa leandrae, CR), dem Tamá-Salamander (Bolitoglossa tamaense, EN), Helena’s Beutelfrosch (Gastrotheca helenae, EN) und dem Santander-Räuberfrosch (Pristimantis anolirex, VU). Unter der Leitung von Faryd Giovany Díaz Peñaloza am Grupo de Investigación en Ecología y Biogeografía der Universidad de Pamplona knüpft das Projekt an mehr als zehn Jahre Monitoring an, in denen der Zustand von über 50 Amphibienarten in vier Biomen erfasst wurde und sich zeigte, dass etwa 80% der Populationen gleichzeitig von der Pilzerkrankung Chytridiomykose (verursacht durch Batrachochytrium dendrobatidis) und massiver Lebensraumdegradierung durch Weidewirtschaft, Landwirtschaft, Holzeinschlag und Bergbau betroffen sind.
Das Projekt umfasst drei eng verknüpfte Arbeitsblöcke, die populationsökologische Forschung mit konkreten Schutzmaßnahmen verbinden. Erstens werden die Bestände der fünf Zielarten an drei Standorten in Trocken-, Anden- und Páramowäldern standardisiert erfasst, um Vorkommen, Abundanzen und Schlüsselhabitate zu bestimmen. Zweitens werden Habitatqualität, Bd-Prävalenz und menschliche Belastungen mittels Vegetations- und Mikroklimaaufnahmen, Abstrichproben mit qPCR-Diagnostik, Literaturauswertung, Interviews und GIS-Analysen systematisch bewertet. Drittens werden zusammen mit lokalen Gemeinden freiwillige Schutzabkommen, ökologische Beschilderung, angepasste Management- und Biosecurity-Protokolle sowie Umweltbildungsangebote und Radiosendungen entwickelt und insbesondere in den Pufferzonen des Nationalparks Tamá und im Einzugsgebiet des Río Pamplonita umgesetzt.
Alle erhobenen Daten fließen in eine frei zugängliche Datenbank ein, die Verbreitung, Bedrohungen, Bestandsentwicklung und Bd-Infektionen der Zielarten dokumentiert und so nationale und regionale Amphibienschutzpläne wissenschaftlich untermauert. Gleichzeitig setzt das Projekt stark auf Kapazitätsaufbau, indem Nachwuchswissenschaftler:innen in Monitoring, Datenanalyse, Wissenschaftskommunikation und gemeinschaftsbasierter Naturschutzpraxis geschult und Mitglieder lokaler Gemeinden, Lehrkräfte und Schüler:innen in die Erfassung von Amphibien und die Prävention von Infektionskrankheiten eingebunden werden.
Die Kombination aus ökologischer Grundlagenforschung, Krankheitsökologie, partizipativer Gemeindearbeit und institutioneller Vernetzung soll den Erhaltungszustand der fünf Fokusarten verbessern, mehr als 40 weitere Amphibienarten in ihren Lebensräumen indirekt begünstigen und ein übertragbares Modell für Amphibienschutz in anderen artenreichen, aber hoch bedrohten Landschaften Kolumbiens bereitstellen.