Boophis miniatus Amplexus

Brennende Biodiversität

Reaktionen der Amphibiengemeinschaft auf Brandstörungen in den Übergangswäldern Madagaskars

Die Übergangswälder im Süden Madagaskars zählen zu den ökologisch interessantesten, aber zugleich am stärksten bedrohten Lebensräumen der Insel. Sie bilden eine biogeographische Schnittstelle zwischen den saisonal trockenen Wäldern des Westens und den feuchten Regenwäldern des Ostens – mit einer einzigartigen Kombination aus Arten beider Regionen, deren Erforschung im Rahmen des Projektes Burning Biodiversity: Amphibian Community Responses to Fire Disturbance in Madagascar’s Transitional Forests unter der Leitung von Dr. Julian Glos (Universität Hamburg) in enger Kooperation mit der Université d’Antananarivo und der NGO Tropical Biodiversity and Social Enterprise (TBSE) erfolgt.

In den letzten Jahrzehnten wurde dieses Ökosystem massiv durch Brandrodung, die Produktion von Holzkohle sowie wiederkehrende Wildfeuer beeinträchtigt. Im Jahr 2025 vernichtete ein großflächiger Waldbrand etwa die Hälfte des größten verbliebenen Waldfragments bei Ambatotsirongorongo. Diese Störung bietet die seltene Gelegenheit, die direkten ökologischen Auswirkungen von Feuer auf Amphibiengemeinschaften systematisch zu erfassen.

Ziel des Projektes ist es, zu verstehen, wie sich Artenvielfalt, Häufigkeit und Zusammensetzung von Amphibienpopulationen nach einem Brand verändern. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob Feuerereignisse zu einer dauerhaften Verschiebung der Gemeinschaftsstruktur führen oder ob sich Populationen erholen und ursprüngliche Zustände wiederherstellen.

Das Forschungsteam nutzt einen „Before-After-Control-Impact“-Ansatz (BACI), der es ermöglicht, Veränderungen in verbrannten und unverbrannten Waldfragmenten im Zeitverlauf direkt miteinander zu vergleichen. Neben standardisierten visuellen und akustischen Erfassungen werden Mikroklimadaten und Habitatparameter erhoben, um Zusammenhänge zwischen Habitatveränderungen und der Zusammensetzung von Amphibiengemeinschaften zu modellieren.

Methodisch stützt sich das Projekt auf die langjährige Forschungserfahrung der Universität Hamburg und ihrer Partner in Madagaskar. Durch Generalized Linear Mixed Models (GLMMs) und multivariate Analyseverfahren (z. B. NMDS, PERMANOVA) werden artenspezifische Resilienz- und Empfindlichkeitsmuster quantifiziert.

Besonderes Augenmerk gilt den drei Zielarten Anodonthyla nigrigularis (EN), Boophis miniatus (VU) und einer bislang unbeschriebenen Stumpffia-Art. Die genetische Charakterisierung letzterer erfolgt über DNA-Barcoding im Rahmen einer laufenden taxonomischen Revision.

Die erzielten Ergebnisse liefern eine wissenschaftliche Grundlage, um die Effekte von Feuer in Wiederbewaldungsstrategien gezielt zu berücksichtigen. In enger Kooperation mit TBSE, das in Ambatotsirongorongo eines der größten Aufforstungsprojekte Madagaskars umsetzt, werden praxisrelevante Handlungsempfehlungen entwickelt – etwa zur Gestaltung feuerresilienter Habitate und zur Förderung amphibienfreundlicher Vegetationsstrukturen.

Darüber hinaus trägt das Projekt zum Kapazitätsaufbau bei: Madagassische Studierende erhalten Ausbildung in Probendesign, Feldmethodik und Datenanalyse, während lokale Feldassistent:innen in der Erfassung von Amphibien- und Habitatdaten geschult werden. Diese Zusammenarbeit stellt sicher, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse langfristig in lokale Schutzpraxis und Umweltbildung einfließen.

Die Kombination aus ökologischer Grundlagenforschung, angewandtem Naturschutz und internationaler Kooperation macht Burning Biodiversity zu einem zentralen Baustein für das Verständnis und den Schutz der amphibischen Biodiversität Madagaskars.