Amphibien gehören weltweit zu den am stärksten bedrohten Wirbeltiergruppen. Besonders dramatisch ist die Situation in Mittelamerika, wo zahlreiche Arten in den letzten Jahrzehnten massive Bestandsrückgänge erlitten haben. Eine dieser Arten ist der Bachfrosch Craugastor ranoides, der heute als Critically Endangered (CR) auf der Roten Liste der IUCN geführt wird. Von seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet sind weniger als zwei Prozent erhalten geblieben.
Das Projekt „Evaluation of the Experimental Translocation of Craugastor ranoides in the Guanacaste Conservation Area“ zielt darauf ab, zu prüfen, ob die kontrollierte Umsiedlung von Individuen ein geeignetes Instrument zur langfristigen Sicherung der Art darstellen kann. Das Vorhaben ist Teil eines übergeordneten Schutzprogramms in Costa Rica und wird im Rahmen einer Masterarbeit an der Universidad de Costa Rica durchgeführt.
Untersuchungsgebiet ist die Guanacaste Conservation Area, ein Mosaik aus Trocken- und Regenwaldökosystemen, das historisch zum Verbreitungsgebiet der Art gehört. Die verbliebenen Populationen sind heute stark isoliert und besonders anfällig gegenüber Klimaschwankungen, Extremereignissen und Habitatveränderungen. Frühere Dürreperioden sowie Hurrikane haben bereits zum lokalen Verschwinden mehrerer Teilpopulationen geführt.
Ziel des Projektes ist es, die Durchführbarkeit und Wirksamkeit von Translokationen als Schutzmaßnahme zu bewerten. Dazu werden in mehreren Versuchsreihen insgesamt 30 Individuen aus stabilen Restpopulationen entnommen und in ökologisch geeignete Habitate innerhalb ihres historischen Areals überführt. Mithilfe von Radiotelemetrie werden Überlebensraten, Bewegungsmuster, Habitatnutzung und Mikrohabitatpräferenzen erfasst.
Die Translokationen erfolgen nach internationalen IUCN-Richtlinien und unter strengen tierschutzrechtlichen Vorgaben. Die Tiere werden vor dem Aussetzen untersucht, markiert und anschließend über einen definierten Zeitraum intensiv überwacht. Ergänzend werden Umweltparameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Gewässerstruktur und Vegetationsbedeckung erhoben, um Zusammenhänge zwischen Habitatbedingungen und Überlebenserfolg zu analysieren.
Ein zentrales Ziel des Projektes ist es, belastbare wissenschaftliche Grundlagen für zukünftige Schutzmaßnahmen zu schaffen. Die gewonnenen Daten sollen aufzeigen, ob Translokationen bei stark gefährdeten Amphibienarten eine realistische Option zur Bestandsstützung darstellen. Gleichzeitig trägt das Projekt zum Kapazitätsaufbau bei, indem Studierende, Parkranger und lokale Fachkräfte in moderner Feldmethodik, Telemetrie und Artenschutzpraxis geschult werden.
Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, ein reproduzierbares Modell für Amphibientranslokationen in Mittelamerika zu entwickeln und den Schutz von Craugastor ranoides nachhaltig in das Management der Guanacaste Conservation Area zu integrieren.