Amphibien-Fonds 2017

Geförderte Projekte:

Die letzten Ihrer Art – Zusammen gegen das Aussterben der Kihansi-Gischtkröte in Tanzania

Der Oku-See-Krallenfrosch  (Xenopus longipes) in Kamerun

Verbreitung, Ökologie und Schutz der Amphibien im Ambodiriana-Wald (Madagaskar)-Teil II

Verbreitung, Lebensweise und Schutz des San-Martín-Fransenbeinlaubfrosches (Ecnomiohyla valancifer)  in Mexiko

Der Titicaca-Riesenfrosch (Telmatobius culeus) in Bolivien

Der gefährdetste Frosch Europas

Schutz gefährdeter Frösche in Westkolumbien- Teil II

What’s for dinner? Nahrungsökologie der  Goliathfrosch-Kaulquappen

Antillen-Ochsenfrosch (Leptodactylus fallax): Habitatoptimierung als Maßnahme gegen die Ausbreitung der Chytridiomykose

Projektstatus Dieses Projekt ist abgeschlossen und benötigt keine Finanzierung

Die Projekte des Amphibien-Fonds im Jahr 2017

 

2017 war ein Rekord-Jahr: Mit neun Amphibienschutzprojekten ist das die höchste Anzahl an geförderten Projekten seit Errichtung des Amphibien-Fonds!

 

Die letzten Ihrer Art – Zusammen gegen das Aussterben der Kihansi-Gischtkröte in Tanzania

Die  Kihansi-Gischtkröte wurde 2009 für „extinct in the wild“ –  In freier Wildbahn ausgestorben – erklärt.  Ihr Lebensraum war vorher nahezu komplett zerstört und  ließ der Population kaum große Überlebenschancen. Die Art lebte ausschließlich im Gischt am Fuße des 800 Meter hohen Kihansi-Wasserfalls in Tansania. Nach dem Bau eines Staudamms, der den Wasserfall zu einem Rinnsal machte, schrumpfte der Lebensraum dramatisch. Der tödliche Chytridpilz versetze der Population den letzten Schlag.
Die Kihansi-Gischtkröte hat dennoch überlebt. Zwei amerikanische Zoos – der Bronx Zoo und der Toledo Zoo – widmeten sich der  Rettung der Art und starteten ein  ex situ Zuchtprogram. 2012 konnten 2.000 in menschlicher Obhut gezüchtete Tiere wieder am Fuße des Wasserfalls angesiedelt werden.
Dieses, vom Amphibien-Schutzprogramm der Zoos und Privathalter im deutschsprachigen Raum und insbesondere vom Tierpark Hellabrunn unterstützte Projekt, hat den Erhalt und Schutz der wiederangesiedelten Population zum Ziel. Ein wichtiges Standbein ist die Arbeit mit den lokalen Gemeinden, die einen wichtigen Beitrag  zur Bewusstseinsbildung rund um die bedrohte Amphibie  leisten soll. Projektbegleitende sozioökonomische Maßnahmen sollen den Druck auf der wiederangesiedelte Population und deren  Lebensraum reduzieren. Die Etablierung alternativer Nahrungsquellen und die Verbesserung der Frischwasserversorgung in den umliegenden Dörfern sollen die Situation der Einwohner verbessern und die übermäßige Nutzung der natürlichen Ressourcen reduzieren. Weiterhin sollen Regelungen zum Schutz der Kihansi-Gischtkröte ausgearbeitet werden.

 

Der Oku-See-Krallenfrosch  (Xenopus longipes) in Kamerun

Die einzig bekannte Population des Oku-See-Krallenfrosches  (Xenopus longipes) kommt in einem einzigen See, dem Lake Oku vor. Der namensgebende Kratersee befindet sich in 2.219 m Höhe unter dem zweithöchsten Gipfel Kameruns. Die Population ist unmittelbar vor dem Aussterben bedroht: invasive Arten, Krankheiten und Lebensraumveränderung gefährden das Überleben der letzten Tiere.
Das geförderte Projekt beinhaltet der Aufbau einen Aufzuchtstation im Bova  Wildlife Conservation Center mit anschließender Wiederauswilderung der Amphibien in einem geschützten Habitat.

 

Verbreitung, Ökologie und Schutz der Amphibien im Ambodiriana-Wald (Madagaskar)-Teil II

Die viertgrößte Insel der Welt, Madagaskar, beherbergt eine erstaunliche Amphibienvielfalt – über 300 beschriebene und vermutlich 200 oder mehr unbeschriebene Arten, viele davon endemisch.  Dieser einzigartige Artenreichtum ist dennoch stark bedroht – insbesondere die Zerstörung der natürlichen Lebensräume gefährdet das Überleben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Von den ursprünglichen tropischen Wäldern der Insel sind nur noch etwa zehn Prozent übrig –  und das Abholzen schreitet weiter voran. 2010 wurde zudem der für Amphibien tödliche Chytridpilz erstmals auf der Insel nachgewiesen, eine weitere große Gefahr für die heimischen Amphibienarten. Auch die Verbreitung der invasiven Schwarznarbenkröte (Duttaphrynus melanostictus) gefährdet die heimische Amphibienfauna.
Das Projekt findet im Ambodiriana-Wald statt, einem der letzten verbliebenen tiefliegenden Regenwälder der Insel. Das 67 ha große Gebiet wurde von Abholzung und Brandrodung bisher verschont, nicht zuletzt weil das Waldstück als heilig verehrt wird. Von 1997 bis 2015 genoss es zudem einen offiziellen Schutzstatus, aufgrund einer Vereinbarung zwischen den lokalen Behörden und einer lokalen Naturschutzorganisation.
2016 hat die Stiftung Artenschutz mit Mitteln aus dem Amphibien-Fonds die erste Projektphase gefördert. 2017-2018 wird die umfassende Feldstudie weitergeführt, in der die Amphibien des Ambodiriana-Waldes inventarisiert und ihr Schutzstatus evaluiert werden. Dabei werden die ökologischen Ansprüche und die potenziellen Gefährdungsursachen für die Amphibienvielfalt analysiert. Aufgrund der Ergebnisse sollen passende Schutzmaßnahmen (Lebensraumschutz, Zuchtprogramme) erarbeitet werden. Auch im zweiten Teil des Projektes sind Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung geplant. Ein wichtiges Ziel ist zudem die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden, um den offiziellen Schutzstatus des Ambodiriana-Waldes weiterhin zu sichern.

Verbreitung, Lebensweise und Schutz des San-Martín-Fransenbeinlaubfrosches (Ecnomiohyla valancifer)  in Mexiko

Fransenbeinlaubfrösche (Gattung Ecnomiohyla) kommen in den Regenwäldern zwischen Süd-Mexiko und Nord-Ecuador vor. Charakteristisch für diese Amphibien sind ihre beachtliche Größe, ihre enorme Spannhäute und einen ausgefransten Hautsaum an Armen und Beinen. Der am nördlichsten verbreitete Fransenbeinlaubfrosch ist E. valancifer. Diese Art wird als vom Aussterben bedroht eingestuft, bis 2015 waren insgesamt fünf Exemplare bekannt.
Im Rahmen einer von Amphibien-Fonds geförderte Studie untersucht  Dr. Karl-Heinz Jungfer aus der Universität Koblenz-Landau die aktuelle Verbreitung von E. valancifer innerhalb des bekannten Verbreitungsgebiet Los Tuxas. Dabei soll sondere die Höhenverbreitung geklärt werden. Darüber hinaus sollen Daten zur Ökologie und den Ansprüchen der Art an den Lebensraum und zur Fortpflanzung in der Natur gesammelt werden.
E. valancifer ist bisher nur von einem kleinen Gebirgszug in Mexico, der Sierra de los Tuxtlas Volcán, bekannt. Das Gebiet weist einen Durchmesser von lediglich ca. 25 km auf, von dem derzeit noch ein größerer Teil bewaldet ist. Obwohl Biosphären-Reservat, ist der Druck auf das Gebiet, insbesondere durch intensive Landwirtschaft, hoch. Aktuelle Fotoaufnahmen lassen allerdings vermuten, dass E. valancifer ebenfalls im Bergwald von Tuxtla Gutierres vorkommt, einem Gebiet gut 240 km von  Los Tuxtlas entfernt. Das Projektteam  soll daher herausfinden, ob E. valancifer oder eine verwandte Art  in diesem Gebiet vorkommt. Dies wäre ein gewichtiges Argument, das Gebiet unter Schutz zu stellen, was in der Vergangenheit schon einmal im Gespräch war.

 

Der Titicaca-Riesenfrosch (Telmatobius culeus) in Bolivien

Im April 2015 wurden tausende tote Titicaca-Riesenfrösche auf der bolivianischen Seite des Titicaca-Sees gefunden. Das Massensterben von bisher nicht bekanntem Ausmaß betraf nicht nur die Amphibien, sondern auch andere bedrohte Vogel-und Fischarten. Mit der Unterstützung der Stiftung Artenschutz und dem Amphibien-Schutzprogramm der Zoos und Privathalter im deutschsprachigen Raumwurde ein Notfallprojekt durchgeführt um die Situation zu bewerten und eine Zuchtpopulation für die zukünftige Wiederansiedlung zu etablieren.
Die vorliegende Studie – unterstützt insbesondere den Aquazoo Düsseldorf-  ist eine konsequente Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Projektleiter  Arturo Muñoz Saravia, mit dem Ziel, die aktuellen Bedrohungen für das Überleben des Titicaca-Riesenfrosches besser zu verstehen. Zunächst wird das Monitoringprogramm  auf der bolivianischen Seite des Titicacasees fortgeführt, um die aktuelle Situation der Population zu erfassen und auf mögliche  Gefahren schnell reagieren zu können. Weiterhin wird mit dem Bau einer neuen Zuchtanlage die weltweit erste es-situ-Zucht fortgeführt und verbessert. Ein weiteres Standbein soll die Zusammenarbeit sowohl mit den lokalen Gemeinden, als auch mit wichtigen Entscheidungsträgern und der kommunalen Behörden sein.

Der gefährdetste Frosch Europas

Der Karpathos-Wasserfrosch (Pelophylax cerigensis) gehört zu den gefährdetsten Amphibienarten Europa und ist als „vom Aussterben bedroht“ in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gelistet. Die Art ist endemisch auf der griechischen Insel Karpathos und kommt nur in wenigen kleinen Gewässern im Norden der Insel vor. Diese Inselfeuchtgebiete – kleine  Oasen für zahlreiche Tierarten  – gelten als die am stärksten gefährdeten Ökosysteme im Mittelmeer.
Prof. Panayiotis Pafilis von der griechischen herpetologischen Gesellschaft wird die Population und die Lebensraumansprüche des Karpathos-Wasserfroschs untersuchen. Um die Gefahr der Austrocknung im Sommer zu reduzieren und den Amphibien bessere Chancen zu geben, werden im Rahmen des Schutzprojektes neue Mikrohabitate geschaffen und die bereits vorhandenen durch den Bau niedriger Dämme abseits der Flüsse gesichert. Gleichzeitig soll eine ex-situ-Zucht im Attica Zoological Park aufgebaut werden. Aktive Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung sind weitere Bestandteile des insbesondere von der GDZ geförderten Projektes.

 

Schutz gefährdeter Frösche in Westkolumbien- Teil II

Die konsequente Fortsetzung des im Vorjahr geförderten Projektes der Organisation Fundación ProAves. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt weiterhin auf den vier gefährdeten Froscharten Atelopus elegans, Phyllobates terribilis, Oophaga sylvatica und Hyloscirtus alitolilax.  Das Projekt beinhaltet Populationsmonitoring, Analyse der Gefährdungsursachen und die Durchführung konkreter Habitatschutzmaßnahmen für die bedrohten Amphibien in zwei  kolumbianischen Schutzgebieten.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Reproduktionserfolg des Goldenen Blattsteigers (Phyllobates terribilis). Während der ersten Projektphase, gefördert ebenfalls durch das Amphibien-Schutzprogramm der Zoos und Privathalter im deutschsprachigen Raum, wurden Kokosnüsse als künstliche Larvenhabitate ausgelegt. Im zweiten Teil des Projektes, das eine ganzheitliche Förderung durch zooschweiz erhält, soll der Erfolg dieser Maßnahme evaluiert werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in Zukunft als Grundlage für die Entwicklung von Schutzstrategien für andere Amphibienarten dienen. Ein weiteres Standbein soll die Umweltbildung und die Stärkung der institutionellen Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Einrichtungen, Naturschutzorganisationen und lokalen Einwohnern sein.



What’s for dinner? Nahrungsökologie der  Goliathfrosch-Kaulquappen (Conraua goliath)

Mit seiner Körperlänge von über 60 cm ist der Goliathfrosch  die größte Froschart der Erde. Von der Weltnaturschutzunion  IUCN wir er als „stark gefährdet“ eingestuft und kommt in einem kleinen Verbreitungsgebiete in den schnell fließenden Wasserläufen in den  Regenwäldern von Äquatorialguinea und  Kamerun vor. Gefährdungsursachen sind die zunehmende Lebensraumzerstörung und die Bejagung und Fang für den Verzehr und den internationalen Wildtierhandel. Der Lebensraum des Goliathfrosches ist vor allem durch die Abholzung, aber auch durch landwirtschaftliche Maßnahmen (z.B. Pestizid-anreicherung  in den Brutgewässern) gefährdet. Drüber hinaus breitet sich seit Kurzem die tödliche Chytridiomykose in seinen ohnehin kleinen  Lebensräumen aus.  Um dieser zunehmenden Bedrohung entgegenzuwirken und das Überleben dieser Flaggschiffart zu sichern, sind daher erfolgreiche Schutzmaßnahmen erforderlich.
Das folgende Projekt – gefördert vom Amphibien-Schutzprogramm der Zoos und Privathalter im deutschsprachigen Raum und insbesondere vom Opel-Zoo –  hat zum Ziel, Erkenntnisse über die Nahrungsökologie der Goliathfrosch-Kaulquappen zu sammeln. Die Studie soll die Frage beantworten, ob die Kaulquappen tatsächlich monophag sind (hinsichtlich der Ernährung auf nur eine Pflanzenart spezialisiert) und wie sich unterschiedliche Nahrungsarten auf  Wachstum, Entwicklung und Körperzustand auswirken. Die gewonnenen Erkenntnisse werden von außerordentlicher Bedeutung für den Aufbau einer ex-situ-Zucht im Tiergarten Schönbrunn sein. Zudem wird die Studie Information über die Ressourcen liefern, die für eine optimale Entwicklung der Goliathfrosch-Kaulquappen in ihrem natürlichen Lebensraum unerlässlich sind – Erkenntnisse, die für die Etablierung erfolgreicher in-situ-Schutzmaßnahmen besonders wichtig sind.

Antillen-Ochsenfrosch (Leptodactylus fallax): Habitatoptimierung als Maßnahme gegen die Ausbreitung der Chytridiomykose

Der Antillen-Ochsenfrosch (Leptodactylus fallax) auf der Insel Montserrat, der auch gewisse Bekanntheit unter dem Namen „mountain chicken“ erlangt hat, erlitt in den letzten Jahren einen der dramatischsten Bestandsrückgänge aller Wirbeltiere. Wie in so vielen Gebieten raffte die Chytridiomykose einen Großteil der Amphibienbestände dahin. In einer letzten Rettungsaktion wurden im Jahr 2009 insgesamt 50 der stattlichen Frösche in europäische Zoos evakuiert. Die Nachzucht gelang erfreulicherweise so gut, dass nun bereits über eine Wiederansiedlung der Frösche auf Montserrat nachgedacht werden kann. Dazu sollen zunächst Tiere in Semi-Freiland-Gehegen ausgesetzt und vermehrt werden. Diese Bereiche sollen außerhalb der mit dem Chytrid-Pilz befallenen Gebiete liegen.
Zur Verwirklichung dieses Plans sind zunächst aufwendige Vorarbeiten zu erledigen. Es soll getestet werden, wie die Umweltbedingungen so gestaltet werden können, dass einerseits die Gesundheit und Vermehrungsrate der Frösche gesichert bleibt und andererseits der Chytrid-Pilz möglichst ungeeignete Bedingungen vorfindet. Dies ist dringend notwendig, da vorangegangene Auswilderungsversuche aufgrund hoher Infektionsraten nur wenig Erfolg hatten. Unter den zu testenden Maßnahmen sind Bepflanzungs- bzw. Beschattungsregime, die die Temperatur in den Froschhabitaten leicht anstiegen lassen. So kann beispielsweise eine Erhöhung der Temperatur auf 33° für nur eine Stunde das Infektionsrisiko erheblich reduzieren. Die Förderung durch den Amphibien-Fonds ermöglicht die Anschaffung von Geräten und Materialien, sowie die Bezahlung von Arbeitskräften. Das Projekt wird vor Ort vom Durrell Wildlife Conservation Trust und der Umweltbehörde Montserrat koordiniert und umgesetzt.