Blauaugenibis

Region: Madagaskar

Projektpartner: Bristol Zoological Society, Mikajy Natiora Association

        

Projektstatus Wir freuen uns auf Ihre Spenden.

Titelfoto: © Mario Perschke

Die Bucht der Ibisse

Auf der Insel Madagaskar kommen zahlreiche Tierarten vor, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Auch die Hälfte der etwa 260 Vogelarten ist nur auf dieser Insel heimisch. Ein Großteil der Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars ist jedoch bedroht.

Im Jahr 2006 wurden nur noch etwa 1000 Paare des Blauaugenibisses (Threskiornis bernieri) gezählt. Neben der Vernichtung ihres Lebensraumes durch Abholzung des Mangrovenwalds stellt das Einsammeln der Küken für den Verzehr durch die lokale Bevölkerung eine große Bedrohung dar. Das Verbreitungsgebiet der bedrohten Vogelart ist auf wenige noch intakte Mangrovengebiete entlang der Westküste Madagaskars begrenzt.

Der Berliner Tierpfleger Mario Perschke gründete Anfang 2005 auf Madagaskar den Verein "Voronosy". Vorrangiges Ziel dieser lokalen Organisation ist es, die wichtigsten Brutplätze des global bedrohten Blauaugenibisses und anderer Stelzvögel auf den Mangroveninseln in der Bucht von Bombetoka sowie die Trockenwaldreste — die Heimat des kritisch bedrohten Kronensifakas (Propithecus coronatus) — auf dem gegenüberliegenden Festland dauerhaft zu schützen.
Diese Bucht ist eines der artenreichsten und aus diesem Grunde wichtigsten Wasservogelgebiete Madagaskars. Sie erstreckt sich auf etwa 150.000 ha.
Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung wurde eine Kombination aus Naturschutzprogramm und Entwicklungszusammenarbeit ausgearbeitet, denn bei diesem Projekt bedingen sich der Erhalt der Umwelt und die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen gegenseitig.

Folgende Maßnahmen werden im Zuge des Projektes durchgeführt:

  • Sensibilisierung der Bevölkerung für den Schutz ihrer Umwelt mittels Informationsmaterial, Hinweisschildern, Radiosendungen und Veranstaltungen in Schulen;
  • Anschaffung von Booten für die Bewachung des Schutzgebietes, für Rundfahrten mit Touristen sowie für den Fischfang in der Bucht;
  • Ausstattung mit Netzen mit angemessener Maschengrößen zur Verbesserung des Fisch- und Garnelenfangs in ökologisch vertretbaren Mengen;
  • Bereitstellung von Nähmaschinen und Nähkursen für die Frauen zur Schaffung alternativer Einnahmequellen;
  • Unterstützung beim Mais-, Obst- und Gemüseanbau; Einführung der Bienenzucht; Legehennenhaltung und -zucht.

 

Da die Bucht schnell und einfach zu erreichen ist, besteht die Möglichkeit, durch den Ökotourismus zusätzlich Einnahmen zu erzielen.
Erste Maßnahmen, wie das Aufstellen von Warnschildern nahe der Brutplätze mit dem Hinweis, dass das Einsammeln der Vogeljungen und der Einschlag von Mangrovenholz gesetzlich untersagt sind, haben bereits eine deutliche Wirkung gezeigt. Das Einsammeln der Küken und die Abholzung des Mangrovenwalds wurden fast vollständig eingestellt.  

Nach dem plötzlichen Tod von Mario Perschke im Jahr 2007 übernahm die madagassische Organisation Fanamby die Projektdurchführung. Die Stiftung Artenschutz übernahm die Abwicklung des Projektes in Deutschland und die Koordination der beteiligten Partner. Das Projekt wurde in Erinnerung an seinen engagierten Gründer in "Perschke-Voronosy" umbenannt.

2014 wurde in Kooperation mit der Universität Bristol und der Bristol Conservation & Science Foundation ein Schutzprojekt im Westen Madagaskars gestartet. Donnacha Burkevon von der Universität Bristol führte eine populationsökologische Studie durch, bei der sie das Verhalten, die Populationsgröße, die Nahrungs- und Bruthabitate und die Gefährdungsursachen für den Blauaugenibis in den Sahamalaza und Loza Buchten untersuchte.

In 2016 wurde ein weiteres Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Zoo Bristol und dem Zoo Berlin gestartet. Dr. Amanda Webber von der Bristol Zoological Society und Dr. Sylviane Volampeno von der madagassischen Organisation Mikajy Natiora Association untersuchen die Ibispopulation in der Bucht Sahamalaza an der Westküste Madagaskars. Dabei untersucht das Projektteam die aktuelle Nutzung der Mangrovenwälder durch die lokalen Einwohner sowie die Faktoren, die sich auf die Nutzung der Nistplätze auswirken.

Das Projekt "Perschke-Voronosy" erhielt Unterstützung durch die EAZA Madagaskar-Kampagne 2006/07.  
Das "WAZA-Branding" des Weltzooverbands (WAZA) zeichnet das Projekt als besonders förderungswürdig aus (WAZA-Project 06022).

Das Partnerprojekt der Stiftung Artenschutz und der Bristol Zoological Society wird insbesondere durch den Zoologischer Garten Berlin gefördert. Wir bedanken uns zudem bei dem Vogelpark Walsrode/ Vogelpark Walsrode Fonds e.V., dem Zoo Duisburg, dem Allwetterzoo Münster und der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) für ihre Unterstützung.